Verarbeitete Lebensmittel: Was steckt wirklich dahinter?

Verarbeitete Lebensmittel stehen oft in Kritik. Doch ist diese Kritik gerechtfertigt? Schliesslich sind nicht alle verarbeiteten Lebensmittel gleich. In diesem Beitrag schauen wir genauer hin und räumen mit einigen verbreiteten Irrtümern auf.
Verarbeitete Lebensmittel sind alle Lebensmittel, deren ursprüngliche Form verändert wurde. Die Verarbeitung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung: Sie macht Lebensmittel sicher, haltbar und geniessbar. Bereits das Zubereiten, Erhitzen, Trocknen oder Einfrieren gelten als Verarbeitungsschritte. Die Verarbeitung allein sagt also noch nichts über die Qualität eines Lebensmittels aus.
Anders sieht es bei vielen hochverarbeiteten Lebensmitteln aus. Sie bestehen überwiegend aus industriell hergestellten Zutaten und enthalten Zusatzstoffe, die Geschmack, Konsistenz oder Haltbarkeit verbessern. Zudem sind sie oft reich an Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren, enthalten gleichzeitig aber wenig Mikronährstoffe und Nahrungsfasern. In westlichen Ländern wie der Schweiz ist der Konsum stark industriell verarbeiteter Lebensmittel wie Fertiggerichte, Instantprodukte, Softdrinks, Snacks oder Süsswaren deutlich gestiegen. Dadurch werden selbst zubereitete Mahlzeiten sowie frisches Obst und Gemüse zunehmend aus der Ernährung verdrängt.
Diese Entwicklung ist aus gesundheitlicher Sicht problematisch. Beobachtungsstudien zeigen, dass Menschen mit einem hohen Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel häufiger an Übergewicht leiden und ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Depressionen aufweisen. Auch die Gesamtsterblichkeitsrate war in gewissen Studien erhöht.
Um den Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln besser beurteilen zu können, wurden verschiedene Bewertungssysteme entwickelt. Die NOVA-Klassifizierung ordnet Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad in vier Gruppen ein: von unverarbeiteten bis hin zu hochverarbeiteten Produkten. Die SIGA-Klassifizierung entwickelte diesen Ansatz weiter, indem sie zusätzlich die Lebensmittelmatrix, die Nährstoffzusammensetzung sowie Art und Funktion der verwendeten Zusatzstoffe berücksichtigt. Dadurch ermöglicht sie eine differenziertere Beurteilung verarbeiteter Lebensmittel. So wird deutlich, dass neben dem Verarbeitungsgrad auch die Nährstoffzusammensetzung eines Lebensmittels berücksichtigt werden muss. Für den Einkauf lohnt sich deshalb ein Blick auf die Zutatenliste und die Nährwerttabelle. Sie liefern wichtige Informationen zur Zusammensetzung und Qualität eines Lebensmittels.
Nicht jedes verarbeitete Lebensmittel ist gesundheitlich bedenklich. Viele Verarbeitungsschritte sind notwendig und sogar sinnvoll. Kritisch wird es vor allem dann, wenn hochverarbeitete Produkte einen grossen Teil der Ernährung ausmachen und frische, nährstoffreiche Lebensmittel verdrängen. Für eine ausgewogene Ernährung wird ein Verzehr von überwiegend unverarbeiteter oder wenig verarbeiteter Lebensmittel wie Gemüse, Früchte, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse empfohlen. Auch hochverarbeitete Lebensmittel dürfen Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Entscheidend sind letztlich die gesamten Essgewohnheiten und nicht einzelne Lebensmittel.






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